Hintergrundinformationen


Auszüge aus dem Protokoll zur Gründungsversammlung von EURAC

Begründung und Zieldefinition sowie Zertifizierungsmodalitäten

(A) Begründet wird die Vereinsgründung mit dem deutlichen Versagen der Nachschulungskurse in Deutschland, wegen mangelnder Qualifikation der Anbieter, falscher Motivation der Inanspruchnehmer und verspäteter Inan-spruchnahme. Damit kommt es also nicht zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit.

(B) Ziel ist die sachliche wie fachliche Begründung der Indikation für heilkundlicher Maßnahmen. Dazu ist eine transparente Bestimmung resp. Eingrenzung der Zielgruppen oder potenzieller Inanspruchnehmer heil-kundlicher Verkehrstherapie vonnöten.

Die heilkundliche Verkehrstherapie der Anbieter wird durch EURAC wissen-schaftlich überprüft und evaluiert; mit der Durchführung können auch andere Organisationen beauftragt werden; EURAC sammelt und verwertet die Ergebnisse.

(C) Heilkundliche Verkehrstherapie ist nur durchzuführen von Fachleuten mit doppelter Qualifikation (Verkehrspsychologie und Psychotherapie). Die Doppelqualifikation europaweit zu zertifizieren, ist die Konsequenz daraus. EURAC kann in den verschiedenen Ländern andere Fach-Organisationen mit der Zertifizierung beauftragen, auch wenn alle Anträge an EURAC gesendet werden müssen. Der vorläufige Zertifizierungsausschuss besteht aus den Vorstandsmitgliedern WE, HM, GH und LN. Später wird auch eine Beschwerde- und Schlichtungskommission eingerichtet.

In manchen Ländern müssen möglicherweise erst Ausbildungsangebote oder auch gesetzliche Grundlagen für die Ausübung verkehrspsychologischer und/oder psychotherapeutischer beruflicher Tätigkeiten geschaffen werden. Es wird darauf geachtet, dass die EURAC-Vorschläge mit den Gesetzen und Bedingungen in den europäischen Ländern kompatibel sind (z.B. in Deutschland; Approbation oder Zulassung nach HPG).

Und schlussendlich: Heilkundliche Verkehrstherapie ist nicht mehrwert-steuerpflichtig (Aufschub, Übergangsregelung, keine Rückwirkung)

Verabschiedung vorläufiger Kriterien der Verkehrstherapie (VTh) nach der Vorlage von GH (IVT-Hö®)

I.  Psychotherapeutischer Status der Verkehrstherapie

  • Die VTh ist eine heilkundliche Psychotherapie behandlungsbedürftiger psychischer Störungen mit negativen Auswirkungen auf das Fahrverhalten.
  • Heilkundliche Behandlungsbedürftigkeit liegt vor, wenn die Verkehrs-auffälligkeiten Symptome psychischer Störungen entsprechend den Kriterien anerkannter Klassifikationssysteme für psychische Störungen.

II.  Verkehrspsychologischer Status der VTh (in Deutschland)

  • Die Problembewältigungskriterien der MPU-Beurteilungskriterien enthalten Indikationen für Therapie, die Kriterien der VTh definieren sie psycho-therapeutisch und legen konzeptionelle Bedingungen für Indikationsdiagnostik und psychotherapeutische Behandlung fest.
  • Zwischen der Festlegung der MPU-Beurteilungskriterien und der psycho-therapeutisch erforderlichen Definition soll es einen Austausch geben, so dass beide Systeme miteinander kompatibel sind.
  • Es soll sichergestellt sein, dass den Therapieindikationen valide Behand-lungskonzepte zugeordnet werden
  • Die Validität und Wirksamkeit aller Behandlungskonzepte, -methoden und -mittel werden wissenschaftlich begründet
  • Die Eignungs- und Ausschlusskriterien für VTh werden aus den wissenschaftlichen Begründungen für Validität und Wirksamkeit abgeleitet.

III.  Verkehrstherapie versus MPU-Vorbereitung(in D)

  • Verkehrstherapeutische Konzepte und Behandlungen unterscheiden sich substanziell von Konzepten der pädagogischen MPU-Vorbereitung.
  • In den Verkehrstherapeutischen Konzepten muss der psychotherapeutische Umgang sowohl mit korrumpierungs- als auch mit positiven Reinforce-menteffekten durch extrinsische Motivationen und Belohnungen wissen-schaftlich dargestellt werden. (Prinzipiell wird die MPU als Kontextbedingung gewertet.)
  • Soweit Korrumpierungseffekte die intrinsische Motivation für Psychotherapie schwächen können, müssen die Betroffenen bezüglich aller entsprechender  berechtigter Kontextanforderungen (z.B. MPU) auf externe Hilfsangebote (z.B. seriöse MPU-Vorbereiter) verwiesen werden.
  • Soweit durch den MPU-Erfolg positive Reinforcementeffekte (z.B. Festigung des Therapieerfolgs) zu erwarten sind, stärken die extrinisischen Beweggründe die intrinsische Therapiemotivation. Sie müssen deshalb akzeptiert und in die Motivationsstrategie einbezogen werden.
  • In diesem Sinn wird das positive MPU-Ergebnis wie auch jedes andere zu erwartende soziale Entgegenkommen (z.B. durch Familie, Freunde, Arbeitgeber), das ein intrinsisches Behandlungsengagement belohnt, ins psychotherapeutische Konzept integriert.
  • Der Kontextaspekt MPU muss auf jeden Fall dem intrinsischen Therapieziel soweit untergeordnet sein, dass auch eine negative MPU den Therapieerfolg nicht mindern kann.

IV.  Verkehrstherapeutische Klassifikation psychischer Störungen

  • Psychische Störungen unterschiedlicher Art können auch das Symptom Verkehrsauffälligkeit auslösen.
  • Wenn die Verkehrsauffälligkeit unter den Gesichtspunkten Leidensdruck, Psychogenese, Störungsstruktur ein nur randständiges Symptom ist, folgt die heilkundliche Behandlung in der Verkehrstherapie den Kriterien für Psychotherapie, bezogen auf die Krankheitsbilder, wie sie z.B. die ICD-10, Kap. V (F) oder das DSM-IV klassifiziert.

V.  Heilkundlich-psychotherapeutische Zertifizierung (in D)

  • Voraussetzung zur legalen Durchführung von Verkehrstherapien als psychotherapeutische Heilkunde ist eine amtliche Zulassung nach dem Psychotherapeuten oder dem Heilpraktikergesetz oder eine Teilnahme an einer psychotherapeutischen Ausbildung, die zur amtlichen Zulassung führt und thera-peutische Praxis beinhaltet.
  • Bis zur Erstellung eines verbindlichen Klassifikationssystems und einheitlicher Behandlungskriterien muss der zu Zertifizierende ein verkehrsverhalten-relevantes Klassifikations-, Indikations- und Behandlungssystem vorlegen können, dessen wissenschaftliche Qualität der Zertifizierungsausschuss beurteilt, oder nachweisen, dass er berechtigt und fähig ist, Systeme zu benutzen, deren wissenschaftliche Qualität der Ausschuss bereits bestätigt hat.
  • Die Kriterien für ausreichende wissenschaftliche und verkehrstherapeutische Qualität legt der Zertifizierungsausschuss fest; er macht sie jedem Zertifi-zierungsinteressenten zugänglich.

Gründungsmitglieder

Hier können Sie eine Liste der Gründungsmitglieder einsehen.